ArtVortrag
TitelNotärztliche Erstversorgung von Frühgeborenen nach ungeplanter außerklinischer Geburt im Großraum Graz (Fallserie aus den Jahren 2012–2020)
TopicNeonatologie
Einleitung

Die Erstversorgung Neugeborener ist für Rettungs- und Notarztteams eine besondere Herausforderung, insbesondere wenn es sich um Frühgeborene (FG) handelt. Welche Maßnahmen werden durch NotärztInnen bei präklinischen FG-Erstversorgungen bis zur Übergabe im Krankenhaus bzw. an den neonatologischen Intensivtransportdienst getroffen?

Patient/en und Methoden

Retrospektive Datenauswertung. Es wurden FG inkludiert, die von 01/2012 bis 12/2020 nach präklinischer Geburt notärztlich versorgt und an der Abteilung für Neonatologie Graz betreut wurden.

Ergebnisse

Inkludiert wurden zehn FG mit medianem Gestationsalter (GA) von 26+0 (IQR 23+2–29+1) Schwangerschaftswochen (SSW) und Geburtsgewicht (GG) von 980 (IQR 540–1740) Gramm (g). Zwei FG (21+3 und 21+4 SSW) wurden maximal versorgt, obwohl das GA unterhalb der Grenze der Lebensfähigkeit lag.
Temperatur: Alle FG waren bei Aufnahme hypotherm mit medianer rektaler Körpertemperatur von 33,0 (IQR 31,8–35,0) °C; minimal 28,0 °C!
Beatmung: Fünf FG wurden endotracheal intubiert, jedoch zeigte sich zweimal bei Aufnahme eine Fehllage (einmal ösophageale, einmal einseitige Tubuslage) und einmal ein signifikantes Tubusleck mit Notwendigkeit der Umintubation. Nach frustranen Intubationsversuchen wurde bei einem FG mit 2000 g GG ein Larynxtubus eingesetzt (Komplikation: massive Magenblähung) und einmal erfolgreich ein Rachentubus verwendet. Bei einem FG wurde Beutel-Masken-Beatmung durchgeführt. Bei zwei FG wurde Sauerstoff via Maske appliziert, obwohl retrospektiv eine Atemunterstützung erforderlich gewesen wäre.
Gefäßzugänge: Bei zwei FG wurden Nabelvenenkatheter etabliert, einmal nach frustraner Anlage eines intraossären Katheters bei einem FG mit 2000 g GG. Appliziert wurden Adrenalin, Glukose und kristalloide Lösungen. Bei acht FG wurde kein Zugang etabliert.
Monitoring: Bei zwei FG erfolgte das Monitoring mittels Elektrokardiogramm (EKG), bei zwei FG mittels Pulsoxymeter, sowie einmal mittels EKG und Pulsoxymeter. Bei allen anderen FG wurde die Herzfrequenz nur mittels Stethoskop evaluiert. Auch die Dokumentation zeigte Lücken: In mehreren Fällen wurden auf Notarztprotokollen die mütterlichen, nicht aber die kindlichen Vitalparameter notiert.

Schlussfolgerung/Diskussion

Diese Fallserie zeigt Probleme, wie sie bei präklinischen FG-Versorgungen auftreten können. Zur Verbesserung der Versorgungsqualität wurden regionale Handlungsempfehlungen zur notärztlichen Versorgung von FG nach präklinischer Geburt für die Steiermark publiziert (Schwaberger et al. NOTARZT 2019;35:314–322), in welchen die Wichtigkeit des Temperatur- und Atemwegsmanagements unterstrichen werden.

review
Autor*in 1Bernhard Schwaberger Klinische Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinikum für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Graz, Österreich
Autor*in 2Johann Martensen Klinische Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinikum für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Graz, Österreich
Autor*in 3Lukas Schober Klinische Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinikum für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Graz, Österreich
Autor*in 4Berndt Urlesberger Klinische Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinikum für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Graz, Österreich