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TitelDie Gehirngröße von Frühgeborenen <32 Schwangerschaftswochen zeigt einen Zusammenhang mit deren Sprachentwicklung
TopicNeonatologie
Einleitung

Frühgeborene (FG) <32 Schwangerschaftswochen haben ein erhöhtes Risiko für eine Sprachentwicklungsverzögerung. Um das individuelle Risiko abschätzen zu können, sind prognostische Marker nötig. Es ist bekannt, dass ein Zusammenhang zwischen Gehirngröße und kognitivem sowie motorischem Outcome besteht. In dieser Studie wurde die Beziehung zwischen linearen Messungen in der cerebralen Magnetresonanztomographie (MRT) und dem sprachlichen Outcome untersucht.

Patient/en und Methoden

FG <32 Schwangerschaftswochen mit MRT am errechneten Geburtstermin wurden eingeschlossen. In den MRT-Bildern wurden der transcerebellärer Durchmesser (TCD), die biparietale Weite (BPW), der extracerebrale Raum (ECR) rechts und links sowie der Interhemisphärenspalt (IHS) bestimmt. Für Kinder mit Gehirnläsion (intraventrikuläre Blutung, Kleinhirnblutung, Schädigung der weißen Substanz) wurde eine Subgruppen-Analyse durchgeführt. Sprach-Scores wurden im Alter von 2 Jahren mittels Bayley Scales of Infant and Toddler Development III erhoben. Als Sprachentwicklungsverzögerung galt ein Wert von <85.

Ergebnisse

255 FG mit einem Gestationsalter von 29,0 (28,0;31,0) SSW und einem Geburtsgewicht von 1250 (985;1500) g wurden inkludiert. 34,1% der FG hatten eine Sprachentwicklungsverzögerung. FG mit einem TCD<50 mm erreichten niedrigere Sprach-Scores als jene mit einem TCD≥50 mm (76,5 [61,5;96,0] vs. 97,0 [81,0;114,0], p=0,005). Dasselbe galt für FG mit einem BPW z-score <-0.5 (87,0 [68,3;106,8] vs. 100,0 [84,0;115,5], p<0,001). Die Ergebnisse blieben nach Korrektur für das Vorhandensein von Gehirnläsionen signifikant. Unter den FG mit Gehirnläsion (n=81) hatten 46,9% einen Sprach-Score <85. Es zeigte sich, dass FG mit Gehirnläsion und gleichzeitig vorliegendem TCD<50 mm im Vergleich zu FG mit Gehirnläsion und normalem TCD signifikant niedrigere Scores erreichten (75,0 [64,5;82,5] vs. 97,0 [75,8;113,3], p=0,030). Dies wurde auch für FG mit auffälligem BPW festgestellt (78,0 [55,5;100,75] vs. 100,0 [81,0;114,0], p=0,007). Zwischen der Weite der äußeren Liquorräume (ECR, IHS) und dem sprachlichen Outcome zeigte sich kein Zusammenhang.

Schlussfolgerung/Diskussion

Ein Drittel aller ehemaligen FG <32 SSW hat eine Sprachentwicklungsverzögerung. Diese Rate ist bei Kindern mit Gehirnläsion erhöht. Durch die Messung der Gehirngröße in MRT-Bildern können Kinder mit erhöhtem Risiko, unabhängig vom Vorhandensein einer Läsion, besser identifiziert werden, sodass eine frühzeitige Therapie möglich wird.

review
Erstautor*in ist unter 35 Jahre alt
Autor*in 1Sophie Heindl Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Univ.-Klinik für Pädiatrie II (Neonatologie), Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Autor*in 2Maria Sappler Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Univ.-Klinik für Pädiatrie II (Neonatologie), Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Autor*in 3Elke Griesmaier Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Univ.-Klinik für Pädiatrie II (Neonatologie), Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Autor*in 4Tanja Janjic Department für Radiologie, Univ.-Klinik für Neuroradiologie, Core Facility Neurowissenschaftliche Bildgebungsforschung, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Autor*in 5Elke Ruth Gizewski Department für Radiologie, Univ.-Klinik für Neuroradiologie, Core Facility Neurowissenschaftliche Bildgebungsforschung, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Autor*in 6Ursula Kiechl-Kohlendorfer Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Univ.-Klinik für Pädiatrie II (Neonatologie), Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Autor*in 7Vera Neubauer Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Univ.-Klinik für Pädiatrie II (Neonatologie), Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Autor*in 8Marlene Hammerl Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Univ.-Klinik für Pädiatrie II (Neonatologie), Medizinische Universität Innsbruck, Österreich