ArtVortrag
TitelDas zerebrale Blutvolumen bei Reifgeborenen während der postnatalen Adaptation in Abhängigkeit vom Geburtsmodus (Vaginalgeburt vs. Sectio)
TopicNeonatologie
Einleitung

Rezente Studien zeigen einen signifikanten Abfall des zerebralen Blutvolumens (CBV) während der postnatalen Adaptation von gesunden, reifen Neugeborenen. Diese Studie untersucht erstmalig den Verlauf des CBV während den ersten Lebensminuten in Abhängigkeit vom Geburtsmodus.

Patient/en und Methoden

Retrospektive Datenanalyse von sekundären Outcome-Parametern aus prospektiven Beobachtungsstudien an der Medizinischen Universität Graz. Eingeschlossen wurden Reifgeborene mit einer unkomplizierten postnatalen Adaption, die in den ersten 15 Lebensminuten mittels Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) monitorisiert wurden (‘NIRO-200-NX’, Hamamatsu; Japan). Die gemessenen relativen Änderungen des Totalen Hämoglobins wurden in CBV umgerechnet, und der zerebrale Gewebsoxygenierungsindex (cTOI) erhoben. Zusätzlich wurden mittels Pulsoxymetrie Herzfrequenz (HR) und arterielle Sauerstoffsättigung (SpO2) ermittelt. Zwei Gruppen, basierend auf dem Geburtsmodus, wurden verglichen: Vaginalgeburt (VG) und Sectio caesarea (SC). Der Zeitpunkt der Abnabelung unterschied sich entsprechend dem routinemäßigen Vorgehen an unserem Zentrum: Etwa 60 Sekunden nach der Geburt in der der VG-Gruppe, <30 Sekunden in der SC-Gruppe.

Ergebnisse

CBV
In der gesamten Studienpopulation zeigte sich ein medianer Abfall des CBV von 0,82 ml/100 g Gehirngewebe in den ersten 15 Lebensminuten (p=0,006). In der VG-Gruppe zeigte sich ein stärkerer CBV-Abfall im Vergleich zur SC-Gruppe, wobei statistisch signifikante Unterschiede (p<0,05) zwischen den Gruppen in Lebensminute 2, 5 und 13 nachgewiesen werden konnten.

cTOI, HR, SpO2
Im Verlauf unterschieden sich cTOI, HR und SpO2 der beiden Gruppen. Beim cTOI zeigten sich signifikante Unterschiede mit niedrigeren Werten in Minute 2 und höheren Werten in Minute 4 und 5 in der VG-Gruppe im Vergleich zu SC-Gruppe. Die VG-Gruppe zeigte eine signifikant höhere HR bis Minute 4, und signifikant höhere SpO2 bis Minute 5.

Schlussfolgerung/Diskussion

Der schnellere cTOI-, HR- und SpO2-Anstieg bei VG-Neugeborenen verglichen mit SC-Neugeborenen könnte durch verhältnismäßig schnellere Zunahme der „Oxygen delivery“ konsekutiv zu einer stärkeren zerebralen Vasokonstriktion und somit stärkeren Abnahme des CBV führen.

review
Erstautor*in ist unter 35 Jahre alt
Autor*in 1Almut Pascher Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, LKH-Universitätsklinikum Graz, Österreich
Autor*in 2Johann Martensen Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, LKH-Universitätsklinikum Graz, Österreich
Autor*in 3Berndt Urlesberger Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, LKH-Universitätsklinikum Graz, Österreich
Autor*in 4Alexander Avian Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Dokumentation, Medizinische Universität Graz, Österreich
Autor*in 5Nariae Baik-Schneditz Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, LKH-Universitätsklinikum Graz, Österreich
Autor*in 6Gerhard Pichler Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, LKH-Universitätsklinikum Graz, Österreich
Autor*in 7Bernhard Schwaberger Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, LKH-Universitätsklinikum Graz, Österreich